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Mittwoch, 26. September 2018
   
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Belletristik

Rai, Edgar: Die Gottespartitur.  - Berlin : Berlin Verlag, 2014. - 302 S.

Ein britischer Musikgelehrter, der im 18. Jahrhundert auf der Suche nach einer geheimnisvollen Partitur durch Europa reist? Ein Musikstück, das die Existenz Gottes beweisen soll? Ein Manuskript zum Abwinken, befindet der Literaturagent Gabriel Pfeiffer und vergisst das Ganze. Bis der Internatsschüler tot neben der Orgel seiner Dorfkirche aufgefunden wird…

Auf die Spuren von „Der Name der Rose“ (Umberto Eco) begibt sich Edgar Rai mit diesem philosophisch-sarkastischen Roman um Religion, Glaube und Erkenntnis.

Ziegelwagner, Michael: Der aufblasbare Kaiser. - Berlin : Rowohlt, 2014. - 429 S.

Die junge Hauptfigur Vera gerät zufällig in eine Geheimloge von Monarchisten. Diese schwadronieren über eine Rückkehr Otto von Habsburgs an die Regierungsspitze. Vera beobachtet die liebenswürdig-skurrilen Herrschaften, wandert mit ihnen, wird ein Teil des Trupps. Schließlich hilft sie bei der monarchistischen Infiltration einer Kundgebung gegen die Wiener Verkehrspolitik mit…
Michael Ziegelwagner, Titanic-Autor und gebürtiger Niederösterreicher, hat mit seinem Debütroman eine höchst vergnügliche Humoreske über den Sinn und Unsinn von Monarchien und die Zumutungen des Alltags geschrieben, mit intelligentem Wortwitz und köstlichen Mundart-Dialogen.

Chirbes, Rafael: Am Ufer : Roman. Aus dem Span. von Dagmar Ploetz. - 3. Aufl. - München : Kunstmann, 2014. - 429 S.

In Spanien ist in den letzten Jahren der Traum von schnellem Reichtum und Glück wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Wer die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hat, konnte sich und sein Vermögen noch in Sicherheit bringen, wie der Bauunternehmer Pedrós. Zurück bleiben Menschen wie Esteban, der das Kapital seiner Schreinerei verspekuliert hat und seine Angestellten entlassen musste…

Sowie etwa Petros Markaris in seinen Athen-Krimis, malt Chirbes ein düsteres Bild vom heutigen Spanien, seiner Vergangenheit mit dem durch die unbewältigte Franco-Zeit gewachsenen Trauma bis hin zur heutigen gesellschaftlichen und ökonomischen Krise. Ernüchterung, Empathie und sarkastischer Humor prägen diesen grossartigen Roman.

Meyer, Clemens: Im Stein : Roman. - Frankfurt : Fischer, 2013. - 557 S.

Aus unterschiedlichen Perspektiven, nicht chronologisch erzählt, ein vielstimmiger Gesang der Nacht: Prostituierte, Engel und Geschäftsmänner kämpfen um Profit und Macht und ihre Träume. Vor allem die Einzelstimmen der Frauen im Milieu gelingen eindrücklich, durchziehen den Text, markieren Beginn und Ende.

Clemens Meyer schreibt von den Menschen, den Nachtgestalten, von ihrem Aufstieg und Fall, vom Schmutz der Straße und dem Fluss des Geldes. Er erzählt die Geschichte einer vermutlich ostdeutschen Stadt, die zum Epochen-Roman unserer Zeit wird.

Diderot, Denis: Jacques der Fatalist und sein Herr - 1. Aufl. - Berlin : Matthes & Seitz, 2014. - 428 S.

Als geeigneter Jahresanfang gilt immer ein Klassiker. Hier zeigt sich der französische Dialogliebhaber, Rabulist und „Pragmatiker“ der Aufklärung Denis Diderot (1713-1784) von seiner geistvollsten Seite.
Gemeinsam mit dem Plebejer Jakob und seinem Herrn begibt er sich auf eine pikareske Romanreise, bei der die Suche nach der Wahrheit, wie später bei „Warten auf Godot“, stets in die Eingangsfrage mündet: „Wer weiß schon, wohin er geht?“

Diderots literarische Werke, mehr als 250 Jahren alt, lesen sich heute so frisch, als seien sie gerade gestern geschrieben worden. Neuübersetzung mit einem Nachwort von Hinrich Schmidt-Henkel und fünf Unterhaltungen von Hans Magnus Enzensberger.

 

Ribeiro, João Ubaldo: Brasilien, Brasilien : Roman. - Frankfurt : Suhrkamp, 2013. - 730 S.

2013 ist bald zu Ende. Da ist es Zeit zu bemerken, dass Brasilien in den nächsten Jahren eine Hauptrolle auf der Weltbühne spielen wird - nicht nur was das Fußball spielen betrifft.
Als sonnigen Tipp für die winterliche Zeit und Einführung in die vielfältige brasilianischen Geschichte vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart gibt es hier ein mit unerschöpflicher Phantasie gestaltetes, figurenreiches Bild Brasiliens, voll Wut und Hoffnung, sowie ein Plädoyer für die Rechte des brasilianischen Volks.

Dieser Roman, ein wahrhaft großer Wurf und eines der erfolgreichsten Werke der brasilianischen Literatur, das bereits zur Weltliteratur zählt, wird  wärmstens empfohlen.

Stein, Hannes: Der Komet : Roman - Berlin : Galiani, 2013. - 270 S.

Auch am Ende des 20. Jahrhunderts hat die österreichisch-ungarische Monarchie in diesem Roman weiterhin Bestand, denn die beiden Weltkriege fanden nie statt. Amerika hat sich nicht zur dominanten Macht aufgeschwungen. Als sich Franz Ferdinand 1914 dem schicksalhaften Attentat in Sarajevo nach dem ersten gescheiterten Versuch entzogen hat, hat er den Lauf der Geschichte fundamental geändert…

Kulturjournalist Hannes Stein entwickelt ein verrücktes und fabelhaftes Gedankenexperiment, in dem Wien der Nabel der Welt ist und bleibt. Eine positive Utopie und, zwischen den fantasievollen Zeilen, ein satirischer Blick auf unsere heutige Zeit.

Schischkin, Michail: Briefsteller. - München : DVA, 2012. - 377 S.

Dieser Roman des hochgelobten russischen Autors besteht aus dem Briefwechsel zwischen einem Mann und einer Frau, Sascha und Wolodja, die nach einer kurzen, intensiven Liebesbeziehung durch Krieg (Boxeraufstand in China) getrennt werden. Sie erinnern sich ihrer Liebe, schreiben von Kindheit und Familie, vom aktuellen Geschehen, von ihren Träumen und Wünschen. Existiert diese Liebe nur in den Briefen?

Michail Schischkin lässt in diesem ausgefeilt konstruierten, literarisch anspruchsvollen und doch packend erzählten Buch „Seelen und Worte über die Zeit wandern wie Wolken über den Himmel“ (FAZ). Ein federleichter Geniestreich, ein ungewöhnlicher Briefroman.

Duve, Karen: Grrrimm. - Berlin : Galiani, 2012. - 152 S.

Wenn Karen Duve Märchen erzählt, kann man sich auf einiges gefasst machen. Da verdreht Schneewittchen ihren sieben kleinwüchsigen Mitbewohnern gehörig den Kopf, der Froschkönig wird zum unerschrockenen Polizisten, und ein geduldiger Prinz hält sich mit absonderlichen Diäten hundert Jahre fit, um endlich die Prinzessin wachzuküssen…

Mit rabenschwarzem Humor transportiert die Autorin fünf ihrer Lieblingsmärchen der Brüder Grimm (genau vor 200 Jahren erstveröffentlicht) in die Gegenwart, kombiniert die bekannten Handlungselemente mit moderner Alltagssprache und vielen unerwarteten Begebenheiten, sodass diese Geschichten mit neuer Intention immer noch aktuell wirken.

Wolfe, Tom: Back to blood.- München : Blessing, 2013. 767 S.

Im Hafen von Miami wird ein kubanischer Flüchtling vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern verhaftet. Der ausführende Polizist ist der kubanischstämmige, gutmütige Nestor Camacho, der unter seinen weissen Vorgesetzten leidet. Ist nun Nestor ein Held, wie ihn die Medien feiern, weil er einen kubanischen Flüchtling in einer halsbrecherischen Aktion vom Mast eines Schiffes heruntergeholt hat, oder ein Verräter, als den ihn seine lateinamerikanischen Verwandten beschimpfen, weil der Mann nun abgeschoben werden kann?

Tom Wolfe, der provozierende Autor von „Fegefeuer der Eitelkeiten“, inszeniert einen erbitterten Kampf, der von den Komponenten Rasse, Geld und Medien bestimmt wird. Zwischentöne sind dabei nicht vorgesehen, Humor jedoch schon.

Koneffke, Jan: Die sieben Leben des Felix Kannmacher. Köln : DuMont, 2012. 507 S.

Der Roman verfolgt über sechs Jahrzehnte hinweg die turbulente Lebensgeschichte eines deutschen Pianisten, Felix Kannmacher, der 1935 nach Rumänien emigriert und sich hier unter falschem Namen zum virtuosen Überlebenskünstler entwickelt. Der Autor verbindet dabei scheinbar mühelos die Stilelemente des Schelmenromans, mit all seinen abenteuerlichen Wechselfällen des Schicksals, mit denen eines akribisch recherchierten historischen Romans. Und er verknüpft ebenso gekonnt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit der Magie des Erzählens.

Kann man über die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, über NS-Diktatur und stalinistischen Terror in Osteuropa, einen unterhaltsamen und spannenden Roman mit intellektuellem Anspruch schreiben? Man kann, wie Jan Koneffke mit diesem eindrucksvollen Buch unter Beweis gestellt hat.

 

 

Präauer, Teresa: Für den Herrscher aus Übersee : Roman / Teresa Präauer. - Göttingen : Wallstein, 2012. - 137 S

Eine wundersame Welt tut sich für die Geschwister bei den Großeltern auf, bei denen sie den Sommer verbringen. Die Eltern sind verreist und melden sich täglich mit einer Postkarte, die der Großvater nicht immer wahrheitsgetreu vorliest. Er erzählt den Kindern Geschichten aus seiner Zeit als Pilot und seiner großen Liebe zu einer Japanerin. Nebenbei üben die Kinder das Fliegen…
Hinweis (FAZ): „Wer diesen kleinen, schmalen Prosaband [bzw. Debütroman] öffnet, erlebt eine warme, aber kräftige Sprachwindböe und wird in die Höhe getragen.“
Eine wunderschöne surreale Geschichte über das Erwachsenwerden und das Entdecken der Welt.

 

 

Roth, Patrick: Sunrise : das Buch Joseph. - Göttingen : Wallstein, 2012. - 509 S.

  Patrick Roth gehört zu den wenigen Gegenwartsautoren, die religiöse Themen mit modernen Erzählformen verbinden. Was hier zunächst wie ein historischer Roman beginnt und den Leser mitten in die Belagerung Jerusalems durch die Römer 70 n.Chr. führt, verwandelt sich schon nach wenigen Seiten in eine biblische Erzählung: Die in der Rückschau erzählte Lebensgeschichte des Joseph von Nazareth. Eine offensichtliche Leseempfehlung für die Adventszeit.

 

 

Meimaridi, Maria: Die Hexen von Smyrna. - Berlin : Insel, 2011. - 510 S.

 

Griechenland, 1887. Die junge Katina und ihre Mutter kommen als Flüchtlinge in das multikulturelle Smyrna (heute Izmir) und lernen ganz unterschiedliche Frauen verschiedener Kulturen kennen. Beharrlich, klug und zielstrebig erkämpfen sich die beiden ihren Platz im Leben als erfolgreiche Geschäftsfrauen, raus aus dem Armenviertel bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Sie verstehen es, die Männer für sich zu gewinnen. Dazu greifen sie auf das von Generation zu Generation überlieferte magische Wissen zurück, mit wundersamen Mittelchen, Zaubersprüchen und Liebestränken… Eine spannende Mischung aus historischem Roman und Familiensaga, mit bunt schillernden Charakteren, intensiven Gefühlen, weisser Magie und starken Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, macht diese Geschichte zur zauberhaften Unterhaltung.

Mars, Kettly: Wilde Zeiten. - Trier : Litradukt, 2012. - 214 S.

 

Haiti zu Beginn der Sechzigerjahre: Nirvahs Ehemann Daniel ist als Journalist gegen „Papa Doc“ (Nickname vom Diktator Francois Duvalier) aufgetreten und wurde verhaftet. Sie weiß nicht, ob er noch am Leben ist. In ihrer Verzweiflung sucht sie den Staatssekretär Raoul Vincent auf. Der verspricht ihr zu helfen. Er hält sie mit spärlichen Informationen über Daniel hin, während er ihr teure Geschenke macht. Während sie seine Geliebte wird, findet Nirvah ein Tagebuch Daniels und erfährt so, dass er auch im Widerstand tätig gewesen ist…
Ein beeindruckendes und aufwühlendes Buch, original auf Französisch geschrieben, über die Gesellschaft von einem der ärmsten Länder der Welt, und gleichzeitig über ein immer noch aktuelles Thema: die gefährliche Mischung zwischen Sex und Macht.

Balàka, Bettina: Kassiopeia : Roman. - 1. Aufl. - Innsbruck [u.a.] : Haymon , 2012.

 

Judit Kalman ist in den Vierzigern und hat jetzt vor, den jungen Erfolgsautor Markus Bachgraben zu verführen, dessen erfolgreichen Debütroman "Kassiopeia" sie für ein Meisterwerk hält.
Nach einer seiner Lesungen hat Judit eine Nacht mit ihrem Dichter verbracht, die für ihn offenbar nur ein One-Night-Stand war. Sie beginnt ihm nachzuspionieren, seine Post zu lesen und entwickelt in ihrem Liebeswahn beachtliche kriminelle Energien, um ihr Ziel zu erreichen…

Mit Witz und Komik inszeniert Bettina Balàka ein spannendes, doppelbödiges Liebesspiel, wo es bald nicht mehr klar ist, wer der Verfolger und wer der Verfolgte ist.

Netenjakob, Moritz: Macho Man. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2011. 287 S.

 

Der 33-jährige Daniel lernt in einem Ferienparadies Aylin kennen. Die Türkin verliebt sich in den sanften Mann, genau weil ihm jedes Macho-Gehabe fehlt, das ihr nur viel zu gut aus ihrem Kulturkreis bekannt ist. Wieder zurück in Köln wird ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt: Aylins gesamte türkische Familie kümmert sich um das junge Paar. Daniel entwickelt sich durch den Einfluss von Aylins Verwandten immer mehr zu einem selbstbewussten Mann… Ein Macho ? Mit viel Witz und einem Stückchen Ironie zeigt uns der Autor, selbst mit einer Türkin verheiratet, und schon in Deutschland als Kabarettist und Comedyautor erfolgreich, wie zahlreiche kulturelle Missverständnisse nicht nur gelungene Situationskomik bringen können, sondern auch eine besonders spontane Art, zwei Kulturen zusammenzumischen.


Cabré, Jaume: Das Schweigen des Sammlers. Roman. Berlin : Insel, 2011. 844 S.

 

Die Handlung ist in der Nachkriegszeit des spanischen Bürgerkriegs in Barcelona verortet, führt jedoch im weiteren Verlauf in andere europäische Städte zu unterschiedlichen Epochen. Erzählt wird von einer antiken Geige, welche den Sohn eines Antiquitätenhändlers mit dem Mord seines Vater in Verbindung bringt. Anhand der Geschichte dieses Sammlerstücks wird die dunkle Seite der europäischen Geschichte, allen voran die Inquisition und der Nationalsozialismus, zusammen mit den großen menschlichen Emotionen Schuld, Liebe und Verrat meisterhaft zu einem Romanstoff verdichtet. Der katalanische Autor Jaume Cabré wird in Spanien sogar mit Thomas Mann verglichen. Liebhaber von Carlos Ruiz Zafon werden auch sicherlich ihre Freude dabei finden. Er legt in der Tat einen vielschichtigen, an Charakteren und Details äußerst reichen Roman vor.

Popovic, Edo: Tattoogeschichten / Ill.. von Igor Hofbauer. Aus dem Kroat. von Alida Bremer. - Dresden [u.a.] : Voland & Quist, 2011. - 170 S.

 

Hier ist eine Geschichtensammlung vom Rand der Gesellschaft, über das heutige Leben in Kroatien und anderswo, voll Schwermut und Sehnsucht, hervorragend und zahlreich im Stil des "Graphic Novels" von Igor Hofbauer illustriert. Trockene Alkoholiker, ein mittelloses Paar, eine unglückliche Literaturkritikerin sind die Hauptdarsteller von ebenso tragikomischen Erzählungen, die wie Tattoos unter die Haut gehen. Popovic gilt als Kroatiens Stimme der Verlierer der sozialen Transformation und beweist es hier mit munterer und humorvoller Ehrlichkeit. Ein witzig-düsteres Bilderbuch in Schwarz-Weiss für junge Erwachsene.


Gorokhova, Elena: Goodbye Leningrad : Ein Memoir. Roman. München : dtv, 2011. 416 S.

 

Wer sich auf diese wunderbare Reise in die Vergangenheit der 1955 geborenen Autorin einlässt, fühlt sich lebhaft hineinversetzt in die Nöte und Magie einer Gesellschaft, die es so nicht mehr gibt. Mit vielen Anekdoten erinnert sie ihre Kindheit und Jugend in einer durchreglementierten Gesellschaft. Inmitten von Regeln, die "dazu da sind, aufgesagt und angestrebt, nicht jedoch befolgt zu werden", beherrschen alle "Wranjo" (russischer Slang für das Wort "Lügen"), das zur Meisterschaft gebrachte So-tun-als-ob. Gorokhovas Erzählkunst führt in enge Wohnungen und belebte Küchen, mit Waschbeckenattrappen ausgestattete Datschen. Ihre Faszination für die Sprache der Kapitalisten mündet 1980 in die Heirat mit einem Amerikaner und ihre Ausreise...Statt Bitternis herrscht in diesem Buch kluge, streckenweise fast abgeklärte Selbstironie, frei von sentimentalem Kitsch. Ihre besondere Mischung aus angelsächsischem Erzählton und zutiefst russischem Stoff gibt diesem Buch seinen ganz besonderen Reiz.


Nwaubani, Adaobi Tricia: Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy. Roman. München : dtv, 2011. 495 S.

 

Der als bestes afrikanisches Debüt mit dem Commonwealth Writer´s Prize ausgezeichnete Roman der jungen Autorin A. T. Nwaubani schildert den harten Alltag in dem westafrikanischen Land Nigeria heute. Trotz eines guten Universitätsabschlusses als Chemie-Ingenieur gelingt es dem gebildeten - aber anfangs naiven - Kingsley nicht, eine seinen Qualifikationen entsprechende Stelle zu bekommen. Als ihn seine Freundin verlässt, um einen ungebildeten Neureichen zu heiraten, entschließt er sich, für seinen ungebildeten kriminellen Onkel Cash Daddy zu arbeiten, der es zu großem Reichtum gebracht hat - gegen den Willen seiner ehrlichen Mutter und seines armen Vaters. Cash Daddy lockt nach Internetkontakt reiche Europäer und Amerikaner für versprochene hohe Gewinne, Geld zu investieren. Als Cash Daddy in die Politik einsteigt, wird er vergiftet und Kingsley macht sich selbstständig... Nwaubani nimmt mit Satire die allgegenwärtige Korruption in Nigeria aufs Korn. Dieser unterhaltsame, lebensfrohe und über weite Strecken komische Roman sollte über den kleinen Kreis hinaus, der sich für moderne afrikanische Literatur interessiert, eine breite Leserschaft finden.


Adiga, Aravind: Letzter Mann im Turm. Roman. München : C.H. Beck, 2011. 513 S.

 

Der indische Autor erzählt in seinem Nachfolgeroman auf sein preisgekröntes Debüt "Der weisse Tiger" (in deutscher und englischer Fassung im Bestand vorhanden) von einem Immobilienhai, der ein altes Haus in Mumbai abreißen will und den Bewohnern viel Geld bietet, damit sie ausziehen. Alle willigen ein, bis auf den alten Lehrer Yogesh Anatha Murthy, der damit die Wut der anderen auf sich zieht. Am Ende wird er vom Dach geworfen, doch glaubt die Polizei nach kurzer Untersuchung an Selbstmord... Der Roman verhandelt die "Gentrifizierung" der Metropole und führt vor, wie auch eine Hausgemeinschaft durch die Aussicht auf viel Geld auseinander bricht und alte Beziehungen in Frage gestellt werden. Bei vielen Ähnlichkeiten zu westlichen Metropolen arbeitet der Autor unterhaltsam, mit einem kräftigem Schuss Sarkasmus und praller Lebensnähe die indischen Aspekte ausführlich heraus. Ein kühler und böse-komischer Blick auf Indiens Mittelschicht und eine Liebeserklärung an die Mega-Stadt Bombay.


Barceló, Elia: Töchter des Schweigens. Roman. München [u.a.]: Pendo 2011. 424 S.

 

Der Roman handelt von Frauenfreundschaft, Schuld und Verrat in der Jugendzeit, wechselt geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und hat überraschende Wendungen, die aber immer schlüssig erscheinen. Als junge Mädchen waren Rita, Ana, Teresa, Lena, Carmen, Candela und Sole unzertrennlich. Gemeinsam träumten sie von der Zukunft, die sie von ihrem engen spanischen Heimatort wegführen sollte, machten erste Erfahrungen mit der Liebe und hatten Probleme mit ihren Eltern und Lehrern. Als ihre intrigante Mitschülerin Mati, die sie mit ihren kleinen und größeren Geheimnissen erpresste, auf einer Klassenfahrt in Mallorca spurlos verschwand und nie wieder auftauchte, prägte dies ihre weiteren Lebenswege. War es ein Unfall oder Mord? Nach 30 Jahren folgt Rita einer Einladung Lenas zu einem Abendessen. Doch Rita findet die Jugendfreundin mit aufgeschnittenen Pulsadern tot im Bad. Verzweifelt ruft sie Ana an, die mit ihrem Mann David, einem Polizisten, in Lenas Wohnung kommen. Rita und Ana verständigen die anderen Freundinnen. 30 Jahre haben die Freundinnen nicht über das schreckliche Ereignis, das gemeinsame Geheimnis und die gemeinsame Schuld gesprochen. Als eine von ihnen eine verhängnisvolle Entscheidung trifft, verspielt sie damit ihr Leben.


Scharnigg, Max: Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe. Roman. Hamburg: Hoffmann und Campe 2011. 157 S.
Für diesen Roman bekam Max Scharnigg, Jahrgang 1980, das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München und er war für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.

 

Nach einer verstörenden Entdeckung, fremde Herrenschuhe vor der eigenen Wohnungstür und in der Wohnung die Freundin und eine unbekannte Männerstimme, zieht sich Nikol Nanz unter den Treppenabsatz des Mietshauses zurück. Hier hofft der Journalist ungestört an seinem Text über die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand im Jahr 1938 weiterschreiben zu können. Aber seine Arbeit kommt ins Stocken. Nikol erinnert sich an seine Freundin M. und denkt über die sonderbaren Vorfälle im Mietshaus nach. Nikols skurriler Nachbar, ein ehemaliger Gletscherfotograf, stöbert ihn unter der Treppe auf und lädt ihn zum Essen ein. Nach und nach erobert Nikol Nanz die Realität zurück und steigt Stufe für Stufe die Treppe zu seiner Wohnung und zu seiner Freundin M. hinauf. Max Scharnigg führt den Leser zu einem herrlich komponierten Roman, in das Herz einer selbstgenügsamen Liebe und auf verschlungenen Wegen die Eiger-Nordwand hinauf.


Anna Maria Maiute: Unbewohntes Paradies. Roman. Hoffmann und Campel

Öko-Wohnbuch

Die 1926 in Barcelona geborene Autorin wurde vor allem mit ihren einfühlsamen Romanen und Erzählungen über die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs bekannt. Sie wurde mit mehreren literarischen Preisen ausgezeichnet und legt mit diesem zauberhaften, warmherzigen Roman eine Geschichte über eine Kinderfreundschaft vor. Als Adriana in Madrid um die 1930er- Jahre zur Welt kommt, hängt der Familiensegen bereits schief. Die kleine Außenseiterin sitzt am liebsten unterm Sofa, um von dort die Welt zu erkunden und in eine Fantasiewelt einzutauchen. Die Mutter hat dafür weder Verständnis noch Nerven. In der Schule verschlimmert sich die Lage und Adriana fühlt sich zusehends isoliert. Als sie jedoch den Russenjungen Gavrila kennenlernt, wendet sich ihr Leben. Gavrilas Mutter, eine Ballerina, kümmert sich kaum um ihren Sohn. Der Diener Teo sorgt mehr für den Außenseiter Gavrila. Adriana und Gavrila freunden sich an und erleben unvergessliche Momente miteinander. Zum ersten Mal erlebt Adriana tiefe Zuneigung und Liebe. Mit Gavrila als Freund fühlt sich Adriana gegen den Rest der Welt gewappnet. Da stirbt Gavrila an einer Hirnhautentzündung und auch der Krieg steht bevor.


Gabriele Kögl: Vorstadthimmel. Roman. Wallstein

 

Heinrich hat sich von weit unten zu Zahnarztpraxis und Sportwagen hochgearbeitet, ohne Vater und von der Mutter nicht gerade heiß geliebt. Er hat eine Frau, eine alles geliebte Tochter und er ist ein fantastischer Liebhaber. Oft besucht er Margot, eine alleinstehende Rundfunkjournalistin. Sie ist die perfekte Geliebte, klagt kaum. Eines Tages ist aber alles anders. Margot ist schwanger und will nicht abtreiben. Heinrich ist schockiert und kann nicht glauben, dass gerade ihm dies passiert. Mit dem Kind ändert sich Margots Leben radikal. Die beruflichen Möglichkeiten schränken sich ein und die Suche nach einer neuen Wohnung ist nicht leicht. Aber Margot lässt sich nicht unterkriegen. Für den erfolgsgewöhnten Heinrich ist die neue Situation aber manchmal zum Heulen. Gabriele Kögl ist 1960 in Graz geboren. Sie absolvierte ein Lehramtsstudium und ein Studium an der Filmakademie. Sie hat bereits mehrere Auszeichnungen bekommen. "Vorstadthimmel" ist ein flüssig zu lesender Roman, der Frauen und Männern gefallen wird.


Matasa Dragnic: Jeden Tag, jede Stunde. Roman.

Helena

Viele Sommertage verbrachten Dora und Luka als Kinder miteinander, am Felsenstrand des kroatischen Fischerdorfes, in dem sie aufwuchsen. Die beiden bleiben unzertrennlich, bis Dora mit den Eltern von Kroatien nach Paris zieht. Die Bindung aus der Kindheit bleibt prägend für ihr Aufwachsen. Sie wird Schauspielerin, er Maler. Nach 16 Jahren begegnen sie sich zufällig wieder und wollen sich nie mehr trennen. Doch Luka kehrt nach der Reise in die Heimat nicht zurück. Dora begibt sich auf die Suche. Die Autorin (1965 in Kroatien geboren, in Deutschland lebend) erzählt chronologisch und verknüpft mosaikartig das Leben der beiden Protagonisten. Die magische Faszination der Liebe wirkt hier nicht kitschig, das Romandebüt der Autorin überzeugt vor allem sprachlich.


Selma Mahlknecht: Helena. Roman.

Helena

Selma Mahlknechts Neuerzählung des klassischen Stoffes, die auf lästige Hexameter verzichtet, wirft auf so einige Episoden Homers ein anderes Licht, und das nicht nur, weil die Ereignisse in erster Person aus der Perspektive der Helena geschildert werden. Als sie sich redlich Mühe gibt, nach dem Willen ihres Vaters nun endlich eine Entscheidung zwischen den unzähligen Freiern zu treffen, erklärt ihr Aithra abermals die Welt: Alle Freier seien die Richtigen, nur sie sei die Falsche. Die Erzählung weiß präzise, wo sie hin will, die Sprache dazu ist schön und dennoch klar wie die griechische See, Umweltschäden nicht mit eingerechnet. Dieses Phänomen der mahlknecht'schen Sprache sorgt dafür, dass das Buch eine unheimliche Kurzweiligkeit ausstrahlt, auch für Menschen, die grundsätzlich nicht auf klassische Stoffe fliegen. (Florian Müller)


Schine, Cathleen: Die drei Frauen von Westport. Roman.
München: Goldmann 2010. 348 S.

Die drei Frauen von Westport

Als sich Joseph Weissmann von seiner Frau Betty scheiden lässt, ist er 78 Jahre alt, Betty ist 75. Joseph spricht von "unüberbrückbaren Differenzen". Bald stellt sich heraus, dass diese auch einen Namen haben; Felicity. Ihr ist es zu verdanken, dass Betty aus ihrer New Yorker Stadtwohnung in ein kleines Cottage in Westport ziehen muss. Doch sie ist nicht allein, ihre Töchter Miranda und Annie begleiten sie. Miranda hat sich ihr berufliches Grab geschaufelt, ein Tapetenwechsel kommt ihr gerade recht. Annie hat eine Scheidung hinter sich, ihre beiden Kinder sind erwachsen. Was soll sie dann ohne Betty und Miranda alleine in New York? Und so zieht auch sie zu ihrer Mutter in das Cottage. Für Betty, Miranda und Annie beginnt in Westport die abenteuerlichste Zeit ihres Lebens. Leicht zu lesender, ergreifender Roman über drei Frauen.


Melinda Madj Abonji: Tauben fliegen auf. Roman. Jung und Jung.

Tauben fliegen auf

Der Roman der 1968 in Serbien geborenen und in der Schweiz lebenden Autorin kreist um das Thema Heimat und wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2010 ausgezeichnet. Ildikos Familie gehört zur ungarischen Minderheit in Serbien, lebt aber in der Schweiz. Hier sind sie und ihre Schwester Nomi aufgewachsen, aber heimisch fühlt sie sich nicht. Heimat bleibt die Vojvodina im Norden Serbiens, der Landstrich, in dem der Vater es nicht mehr ausgehalten hat, von dem er aber auch nicht loskommt. Und so reist die Familie Kocsis in einem schokoladebraunen Chevrolet zu Besuchen, Hochzeiten und Todesfällen in die Heimat, wo Mamika und all die anderen Verwandten leben. In der Schweiz lebt es sich nicht so leicht. Die Familie betreibt eine Cafeteria. Die Eltern haben es geschafft, aber Ildiko fühlt sich in der Schweiz nicht immer angekommen. Sie spürt manchmal die Ausländerfeindlichkeit der Schweizer und es genügt schon, auch noch den Streitigkeiten der Menschen aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich über ein vereintes Europa zu wundern.


Scholl, Sabine: Giftige Kleider. Roman. Wien: Deuticke 2010. 267 S.
österreich geborene Autorin hat einen mit Witz und Ironie gespickten Krimi aus dem Modemilieu geschrieben.

 

Gina Sonnenfels, Ex-Model und Ex-Modejournalistin aus Österreich, lebt in Berlin und hilft mit ihren Szenekenntnissen gelegentlich Steffen Rheinsberg, Kriminalrat bei der Berliner Polizei. Diesmal untersucht Gina in Berlin den Mord an einer Mitarbeiterin der Österreichischen Botschaft, die während der Touristikmesse in einem Dirndlkleid ums Leben kam. Der Stoff des Dirndls führte zu Verbrennungen. Nur eine rasche Aufklärung der Tat kann verhindern, dass das Ansehen der Alpenrepublik und das Image der Trachtenindustrie Schaden nehmen. Gina trifft sich mit dem drogenabhängigen Modeschöpfer, um mehr über die verwendeten Stoffe zu erfahren. Der Liebhaber der Toten hat ebenfalls einiges zu verbergen. Als Gina ihre Recherchen in Wien fortsetzt, erhält sie die Adresse einer Firma, die Textilien auf Schadstoffe untersucht und für eine ökologisch korrekte Mode eintritt. Sie bespricht, schnell verliebt, ihren Fall mit dem gutaussehenden Lorenz, dem Chef der Firma...

Linderborg, Asa: Ich gehöre keinem. - München: btb 2009. - 284 S.      
Der autobiografische Roman und Bestseller ist die ergreifende, ungewöhnliche Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung.

 

Im Schweden der 1970er-Jahre lebt die kleine Asa allein mit ihrem alkoholabhängigen Vater Leif. Dieser ist Stahlarbeiter. Die Mutter hat beide wegen eines anderen Mannes verlassen. Der Alltag von Asa und Leif gestaltet sich ziemlich unkonventionell. Asa darf so viele Süßigkeiten essen, wie sie will. Das Beziehen von Betten hält Vater Leif für überflüssig und auch Körperhygiene ist nicht so wichtig. Es gibt keine Seife, keine Zahnpasta und keine Handtücher. Essen gibt es bei den Großeltern, da das Geld nicht bis zum Monatsende reicht. Der Großteil des Geldes verschwindet durch die Alkoholsucht von Leif. Dennoch kümmert er sich rührend um die kleine Tochter. So kauft er ihr statt Gummistiefel zum Beispiel doch italienische Sandalen, weil sich diese Asa so sehr   wünscht. Als Asa älter wird, ist ihr Leif peinlich und sie wendet sich mehr der aktiven Mutter zu. Am Ende von Leifs Leben bedauert Asa, dass so vieles unausgesprochen blieb.
Asa Linderborg verurteilt nicht, verherrlicht aber auch nicht. Das Leben des Vaters war weder falsch noch richtig. Sie hat ihrem Vater ein würdiges Denkmal gesetzt.

 

Tremain, Rose: Der weite Weg nach Hause. Roman.
Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009.  490 S.

 

Der mit dem „Orange Prize for Fiction 2008“ preisgekrönte Roman ist ein einfühlsames Buch über Migration und jene entwurzelten Menschen, die unsere Gesellschaft zunehmend prägen und verändern, ohne von ihr so recht wahrgenommen zu werden.
Lev verlässt nach dem Tod seiner Frau sein osteuropäisches Dorf, seine Tochter und seine Mutter, um in London Arbeit zu suchen. Eine Dolmetscherin hilft ihm in London weiter und er findet einen Job in der Küche eines Restaurants. Die Stadt ist ihm fremd – der Rhythmus des Lebens, die Sprache, die Ambitionen der Menschen. In seiner Einsamkeit denkt er zurück an seine geliebte, jung verstorbene Frau, an seine kleine Tochter Maya und an die verrückten Erlebnisse mit seinem besten Freund Rudi. Er erkämpft sich seine Zukunft, findet neue Freunde und beginnt eine Liebesbeziehung mit einer jungen Köchin, die jedoch zerbricht und auch seine Stelle gefährdet. Lev  schickt Geld nach Hause. Als ihn von der Heimat die Nachricht erreicht, dass sein Dorf vom Bau eines Staudamms bedroht wird, verstehen seine Verwandten und sein Freund Rudi nicht, dass Lev weiter in London arbeiten will. Doch dann hat Lev eine großartige, abenteuerliche Idee...
Das aktuelle Thema über Migration mit Heimweh, Fremdheit, Ausländerfeindlichkeit, Kulturkonflikt, Armut, Trauer, Gewissenskonflikte und Unverständnis - aber auch mit neuer Freundschaft – hat Rose Tremain ebenso humorvoll wie kritisch und fesselnd aufgeschrieben.

 

Levy, Marc: Kinder der Hoffnung. Roman. München: Knaur 2008. 364 S.

Kinder der Hoffnung

Der 1961 in Frankreich geborene Autor hat mit diesem Roman sein bisher persönlichstes Buch geschrieben. Dieses Buch ist eine Hommage an die Menschen, die für die Freiheit und die Hoffnung kämpfen. Levy erzählt die Lebensgeschichte seines Vaters, der während des Zweiten Weltkriegs in der Résistance kämpfte.
Toulouse in den 1940er- Jahren: Frankreich ist von den Deutschen besetzt, es herrscht ein Klima des Misstrauens und der Bespitzelung. Der 18-jährige Raymond steigt in eine Straßenbahn. Als er wieder aussteigt, nennt er sich Jeannot und schließt sich mit seinem jüngeren Bruder Claude der Résistance an. Sie riskieren dabei jeden Tag ihr Leben. Liebesbeziehungen bleiben ihnen versagt. Das Leben in der Illegalität ist gefährlich. Einige Aktionen gelingen spektakulär, doch plötzlich schlägt die Gegenseite zu. Verhöre, Folter, Deportation nach Deutschland folgen. Im letzten Augenblick gelingt die Flucht...

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Volo, Fabio: Einfach losfahren. Roman. Zürich: Diogenes 2009. 285 S.

 

Fabio Volo ist 1972 in der Lombardei geboren, Autor mehrerer Bestseller, Filmschauspieler und Moderator. Er lebt in Mailand, Rom, Paris und New York. In diesem Roman erzählt er die Geschichte zweier Freunde und zweier Lebenswege.
Michele kann sich nicht beklagen: Er arbeitet als freier Journalist, trifft sich abends mit Freunden auf eine Pizza oder ein Bier, und Frauen wickelt er um den Finger. Alles ist bestens, bis sein bester Freund Federico aus heiterem Himmel beschließt, den Alltag hinter sich zu lassen und einfach loszufahren. Für Michele ist dies unverständlich. Allein zurückgeblieben, stürzt er sich in die Eroberung von Francesca. Sie verlieben sich ineinander. Doch Michele weiß, was auf Zeiten der Verliebtheit  folgt. Er ist verwirrt und findet keine Antwort. Da erreicht ihn eine Nachricht von Federico, welche ihn wachrüttelt. Nun erst beschließt er, auch einfach loszufahren...

 

Surminski, Arno: Amanda oder Ein amerikanischer Frühling. Roman. München: Langen Müller 2009. 349 S.

 

Der 1934 in Ostpreußen geborene Autor hat einen witzig-melancholischen Roman über Amerika, einen Traum und das Leben geschrieben, und dass es immer anders kommen kann.
Der Medizinstudent Konrad möchte gerne nach Amerika reisen, hat jedoch kein Geld. Da trifft es sich gut, dass er als Reisebegleiter der älteren vermögenden Dame Amanda vermittelt wird, die in den Staaten ihren Sohn treffen will. Und so starten die beiden ihre ungewöhnliche Reise. Amanda war eine berühmte Tänzerin, kennt die halbe Welt und wird überall zuvorkommend empfangen. Sie berichtet pausenlos von ihren 4 verflossenen Männern und aus ihrer lebendigen Vergangenheit. Da Geld keine Rolle spielt, können sich Konrad und Amanda teure Hotels und schicke Autos leisten. Das ungleiche Paar besucht viele amerikanische Sehenswürdigkeiten. Am Ende ist Amanda plötzlich verschwunden und hinterlässt einen Rückflugschein und den Wunsch, dass Konrad ihre Amerikareise und ihre Abenteuer in einem Roman herausbringt.

 

O'Nan, Stewart: Alle, alle lieben dich. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2009. 410 S.

 

Die 18-jährige Kim steht kurz vor dem Übergang auf das College, genießt mit Freunden den Sommer und verdient sich an einer Tankstelle etwas Geld. Eines Tages trifft sie sich mit Freunden, badet noch im Fluss, hat aber wenig Lust auf ihre Arbeit in der Tankstelle, steigt trotzdem in ihren alten Chevy und macht sich auf den Weg zur Tankstelle. Doch dort kommt sie nicht an, sie verschwindet spurlos. Eine hitzige Suche beginnt. Familie, Freunde, Polizei – jeder sucht und hofft, dass Kim heil zurückkehrt, dass die eigene Hoffnung nicht schwindet, oder einfach nur, dass endlich wieder Ruhe einkehrt in der Kleinstadt, damit die eigenen Geheimnisse auch welche bleiben. Denn die meisten, die Kim kannten oder zu kennen glaubten, haben etwas zu verbergen.  Die Mutter sucht im Internet nach ähnlichen Fällen, entwirft Flugblätter und organisiert Solidaritätsveranstaltungen. Erst nach langer Zeit verdichten sich die Anzeichen, dass ein Verbrechen vorliegt.
Der Autor zeichnet Strich für Strich das Psychogramm einer scheinbar perfekten Familie auf, und er erzählt von einer Kleinstadt im Ausnahmezustand.

 

Williges Fleisch, schwaches Federvieh : das österreichische Literaturkochbuch / hrsg. von Beatrix Müller-Kampel und Wolfgang Schmutz. - 1. Aufl. - Wien : Mandelbaum, 2009. - 303 S. : zahlr. Ill., graph. Darst.

 

In der österreichischen Literatur begegnet man einer Vielzahl an Speisenszenarien und eingehenden Beschreibungen von Gerichten.
„Williges Fleisch, schwaches Federvieh“ macht sich diesen Reichtum an einschlägigen Texten in Form einer Anthologie zunutze, um von der Literatur her die österreichische Küche neu zu erschließen. Von Abraham a Sancta Clara bis Menasse findet sich Klassisches, Provinzielles und Abwegiges aus Literatur und Küche, angereichert mit historischen und gegenwärtigen Rezepten sowie biographischen Notizen zu den Literaten.

Wer sich mit Müller-Kampel, Professorin für Neuere deutsch Literatur, und dem Journalisten Wolfgang Schmutz auf diese amüsante und aufschlussreiche Spurensuche durch die österreichische Literatur begibt, wird mit wissenswerten Einblicke in unsere Kultur- und Literaturgeschichte und neuem Appetit auf die österreichische Küche belohnt.

 

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